ChatGPT (OpenAI)
Der Klassiker — größte Verbreitung, guter Allrounder, hohes Halluzinations-Risiko bei Zitaten
Was steht auf dem Papier
ChatGPT ist die generative KI-Anwendung der US-Firma OpenAI, seit November 2022 öffentlich zugänglich. Über 200 Millionen wöchentliche Nutzer (Stand 2026). Modelle: GPT-4o (Standard), GPT-5 (Flagschiff), GPT-5 Pro/Thinking (Reasoning-Modus mit Zwischenschritten). Frei zugänglich mit Kontingent; Pro-Tarif für höhere Kontingente und Prioritätszugriff. Deutschsprachig kompetent.
Rechtsgrundlage
Keine berufsständische Zulassung als Rechtsdienstleister. Informationsdienstleistung. Der Bundesgerichtshof hat 2025 in einem Grundsatzurteil (siehe beck-aktuell 11/2025) klargestellt, dass ChatGPT keine individuelle Rechtsberatung im Sinne des § 3 RDG erbringen darf und Antworten mit einem entsprechenden Hinweis versehen sein müssen.
Verfahren
Anmeldung mit E-Mail oder Google/Microsoft-Konto. Kostenlose Nutzung mit Kontingent, Plus-Abo etwa 20 USD/Monat, Pro-Abo etwa 200 USD/Monat. Zugriff über chatgpt.com (Web), Desktop-Apps, Mobile-Apps.
Bindungswirkung
Keine. Rechtlich unverbindliche Information.
Zahlen & Fakten
Am weitesten verbreitete KI weltweit. Für DACH-Recht kompetent, aber gerne 'überzeugend falsch' — Aktenzeichen und Fundstellen gehören zu den häufigsten Halluzinationen.
Unsere ehrliche Einschätzung
Vorteil: die breiteste Erfahrungsbasis, viele Nutzer teilen Prompt-Rezepte für Klageschriften, Widersprüche, Mahnbescheide. Für Standard-Szenarien (Mietrecht, Verbraucherschutz, Bußgeldbescheid) gute Erstinformation. Nachteil: die höchste Halluzinationsquote bei Aktenzeichen und Zitaten — jeder Verweis auf ein Urteil MUSS bei OpenIure/OpenJur/BeckOnline oder direkt bei der Gerichtssuche verifiziert werden. Die neuen Reasoning-Modi (GPT-5 Thinking) reduzieren das Problem, lösen es aber nicht. Praktischer Rat: für die Struktur eines Schriftsatzes und Argumentationsanleitungen sehr gut; für die letzte Fassung Claude oder RechtGPT ergänzend einsetzen und alle Zitate manuell prüfen.
